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1a Des Wortes Kraft

Nach dem Dreißigjährigen Krieg ist die Verarmung breiter Bevölkerungsteile in Mitteleuropa festzustellen. Im Vergleich zu den Ökonomien Westeuropas gab es im deutschsprachigen Raum große Rückstände. Die Verbindung von Aufklärung und Absolutismus wurde – aus ökonomischen Gründen – vorangetrieben. Analytische Prozesse konnten das Bestehende ordnen und Prozesse der Rationalisierung einleiten: Es folgte die Zentralisierung, Hierarchisierung und Kodifizierung, wodurch die Stände zurückgedrängt wurden. Es war sinnvoll, bei diesem Vorgang nicht-adlige, gebildete Aufsteiger zu nutzen, da sie (zunächst) keine macht-politischen Interessen verfolgten und so dem Allgemeinwohl dienten. Der Einbezug und die Pflege einer Bildungselite in Verwaltung, Wirtschaft und Kirche, standen im Widerspruch zum tradierten System, das auf Loyalität gründete. Das Vertrauen der Gebildeten könne aber nur durch sachliche Überzeugungskraft gewonnen werden. Vor diesem Hintergrund erklärt sich die Publikationswelle der Massenblätter, die Herrschende herausgaben, um der zunehmend aufgeklärten Bevölkerung Reformerfolge darzulegen. Die Regenten waren beteiligt am Prozess der Politisierung und dem Entstehen einer öffentlichen Meinung: Es entstand eine lesende und korrespondierende Bildungselite, die von ihrer Relevanz überzeugt war. Zwei Merkmale prägten diese Gruppe: 1. Die Akzeptanz des Bildungsund Leistungsprinzips und 2. die Erfahrung, dass die Ressource Sprache zur Gesellschaftsgestaltung wirksam genutzt werden kann.