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1b Logos

Nach jüdischem Glauben wurde die Welt durch den einzigen und wahren Gott ins Leben gerufen. Der Schöpfer, der Lebensraum und Freiheit schenkt, greift in die Geschichte ein, um Konditionen sicherzustellen, die ein würdevolles Leben garantieren. Die machtvolle Offenbarung Gottes geht einher mit dem Erhalt von Land und Gesetz (Exodus). In diesem Kontext lässt der Ewige erkennen wie das positive Verhältnis der Menschen untereinander sowie zur Gottheit gestaltet werden solle. Die Offenbarung wird in der Thora (Weisung) manifestiert. Das göttliche Wort ist, nach jüdisch-christlichem Verständnis, von den Propheten – unter Einbezug der Gegenwart - interpretiert und verkündet worden. Individuelle Lebensgestaltung und die Regeln der Gemeinschaft sollen mit dem Gesetzeswort (lógos) übereinstimmen. Die Beachtung verheißt Gnade und Segen. Logós ist in seiner griechischen Bedeutung nicht auf Lehrsätze reduzierbar. Es meint auch Sprache, Sinn und Vernunft – das Geistige, das Menschen erfassen und anwenden können, um zu gestalten. Das Christentum entwickelt das Logos-Verständnis zur Inkarnationslehre fort. Im Johannes-Evangelium heißt es »das Wort ist Fleisch geworden« (Joh 1,14). Jesus von Nazareth sei dermaßen mit der göttlichen Instanz verbunden, dass seine Lehre und sein Wirken mit dem offenbarten Willen Gottes kongruent seien. Die ganze Existenz Jesu habe göttlichen Charakter. Das Nachdenken über seine Wesensart und die Imitation seines Handelns machen das Numinose erfahrbar. Ein heiliger Geist, der Gutes hervorbringe, sei damit am Wirken.