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2b Kurtrier

Die Regentschaft über das Erzstift und Kurfürstentum Trier übte der Kurfürst aus. Er war zugleich oberster Landesherr und Erzbischof. Das Bistum selbst hatte einen größeren Umfang als das Gebiet seiner weltlichen Herrschaft. Nach der Wahl durch das Domkapitel wurde er vom Papst als Erzbischof und vom Kaiser als Kurfürst eingesetzt. In seiner profanen Funktion wurde der Landesvater von einem Hofrat beraten und regierte seit dem 16. Jahrhundert weitgehend absolutistisch. Der letzte Erzbischof und Kurfürst von Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen (1739-1812), ließ ein Kurfürstliches Schloss am Koblenzer Rheinufer errichten. Er residierte seit 1786 in der Stadt. Die Verlegung des Hofes und die geistliche Regentschaft vor Ort trugen da- zu bei, dass die Koblenzer ihren Landesherrn und seine absolutistische Staatslenkung zunehmend kritisch sahen. Dieser Eindruck wurde verstärkt durch die Unterstützung zahl- reicher Royalisten, die aus Frankreich emigriert waren und am Hofe des Bischofs Unterschlupf fanden. 1794, während des 1. Koalitionskrieges, besetzten französische Revolutionstruppen den größten Teil des Kurfürstentums. 1801 wurden die linksrheinischen Gebiete an Frankreich angegliedert, so dass die Departements Sarre (mit Sitz in Trier) sowie Rhin-et-Moselle (mit Sitz in Koblenz) gebildet wurden. Die rechtsrheinischen Gebiete fielen 1803 an Nassau-Weilburg, so dass Clemens weiterfliehen musste.