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3a Geschöpf des Wortes

Besonders die Kirchen den Reformation beschreiben die Existenz der Kirche als »creatura verbi« (Geschöpf des Wortes). Sie hat in zweifacher Hinsicht durch das Wort Bestand: Zum einen ist sie auf dem Fundament der Worte gegründet, die Jesus Christus gesprochen hat und sie rezipiert die Worte, die sein Leben und Wirken beschreiben (Evangelium). Zum anderen sind Reflexionen über Jesus Christus zu betrachten: Die Schriften des Neuen Testamentes, die Lehren der Kirchenväter, das persönliche Zeugnis in Geschichte und Gegenwart sowie das christliche Lied- und Gedankengut. All diese Aspekte bilden das Fundament der Glaubensgemeinschaft. Die Tradition, die der Katholizismus in spezieller Weise betont, ist somit ein wesentlicher Faktor, für kirchliche Wirklichkeit. Weitere Kennzeichen der katholischen Kirche, die Kunstfülle sowie das Öffentliche, das Darstellende und die Durchdringung der Alltagswelt waren für Görres erhaltenswerte Eigenschaften. Am Protestantismus, der sich in den privaten Bereich zurückzog, schätzte er Demut, Frömmigkeit und Bescheidenheit. Die Wahrheitsliebe Luthers habe sich gegen die Erstarrung des geistigen Lebens, gegen Heuchelei und Selbstsucht, gegen die Verstockung und leere Formeln gewandt. Die Reformation sei damit legitim und beide Konfessionen könnten voneinander lernen. Jeder Teil habe seine Funktion und Inspiration. Gemeinsam, in kongenialer Ergänzung, würden sie ein großes Ganzes bilden.