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6a Napoleons Macht

Nach den Siegen, die gegen die äußeren und inneren Feinde errungen wurden, schien Gewalt nicht länger angebracht. Robespierre wurde als Diktator klassifiziert, der einzig danach strebe, seine Macht zu festigen. Im Konvent formierte sich Widerstand, so dass Robespierre am 27. August 1794 abgesetzt wurde. Die gemäßigten Kräfte konnten sich behaupten und die staatlichen Maßnahmen zur Durchsetzung einer Zwangswirtschaft wurden aufgehoben. Doch wie die Republik in Zukunft regiert werden sollte, blieb ungewiss. Der Staatsstreich Napoleons war die konsequente Antwort auf die Schwäche des Direktoriums. Eine Stütze der napoleonischen Herrschaft war das Großbürgertum, das in seiner Wirtschaftmacht unberührt blieb. Die Armee, als zweite Machtgrundlage, wurde auf den Kriegs- schauplätzen Europas zu ertragreichen Siegen geführt. Die Machtergreifung Napoleons war für Görres das endgültige Scheitern der Revolution. Neid und Misstrauen hätten in den Tagen des Terrors die Etablierung einer demokratischen Ordnung unterbunden, der Grundsatz der Gewalt habe sich durchgesetzt. Napoleons Macht basiere auf dem gleichen Prinzip: Indem er die Völker aufpeitsche, halte er das Heft des Handelns in der Hand, die inneren Probleme würden überdeckt. Das Ringen um den Aufbau einer Republik werde als schönes Reden diffamiert. Napoleon habe die Volksvertreter als »entzweite Schwätzer« verachtet und die »höchste Gewalt« an sich gerissen. Das Herrschaftssystem, durch seine Hand errichtet, sei allein durch Furcht und Schrecken aufrecht zu erhalten.