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9a Der Rheinische Merkur

Die französische Zensur existierte in den linksrheinischen Gebieten und dehnte sich 1806 auf die Rheinbundstaaten aus. Die Zensur in Preußen und Österreich war darauf bedacht, kritische Äußerungen über Napoleon zu unterbinden, damit kein Vorwand für ein weiteres Vorgehen der Franzosen geliefert werden konnte. Der militärisch- politische Zusammenbruch derJahre 1805 bis 1807 ging mit einem Niedergang des Zeitungswesens einher. Somit war, im Verständnis der patriotisch Gesinnten, das Pressewesen in der Franzosenzeit durch die »Erbärmlichkeit der Zeitungen« und einen »lahmen Ton« gekennzeichnet. Antinapoleonische Drucksachen waren trotzdem vorhanden: Flugblätter, Flugschriften und Broschüren wurden im Verborgenen verbreitet. Auch Görres beendete seine politisch-publizistische Enthaltsamkeit und wurde zum Vorkämpfer der anti-französischen Presse. Er erklärte die Niederlage Österreichs (1810) mit der deutschen Uneinigkeit und empfahl die Schaffung einer öffentlichen Meinung. Er war davon überzeugt, dass es zu diesem Vorhaben nötig sei, fortlaufende Erscheinungen herauszubringen. Als die linksrheinischen Gebiete im Januar 1814 von Napoleons Herrschaft befreit wurden, zeigte sich Görres euphorisch. Er rief den »Rheinischen Merkur« ins Leben, der zur schärfsten Kampfzeitschrift gegen Napoleon wurde. Mit dem Abzug der Franzosen war dem Familienvater ein engagiertes Schreiben möglich geworden. Allerdings wurde seine Zeitschrift in den Satellitenstaaten massiv zurückgedrängt. Im Sommer 1814 wurde der »Rheinische Merkur« in Baden, Bayern und Württemberg offiziell verboten.