English

10a Der Völkerbund

In Form eines Friedensvertrages wandte Kant die Grundsätze seiner Moralphilosophie auf die Frage an, wie die Politik den Frieden bewahren könne. Auch hier gelte es, Entscheidungen zu treffen, die von der Vernunft geleitet sind und nach Gerechtigkeit trachten. Kant stellte klar, dass der Frieden kein natürlicher Zustand sei und durch ein rechtliches System gestiftet werden müsse. Er postulierte, dass allein das Nebeneinander der Staaten Schaden bringe, so dass die Völker (wie einzelne Menschen) verpflichtet seien, den Naturzustand zu überwinden. Der Völkerbund oder der Völkerstaat seien zwei Möglichkeiten, einen Rechtszustand herzustellen: Der Völkerstaat würde eine »Weltrepublik« formieren, die alle Staaten zu einem Gebilde zusammenfüge. Für die nahe Zukunft schloss Kant die Schaffung eines Völkerstaates aus: Das Nebeneinander der Völker sei in der Gegenwart grundlegend für das politische Agieren, so dass die Weltrepublik dem Selbstverständnis der Völker widerspräche. Eine Suprematie könne es nicht geben, da die Einzelstaaten ihre Ver- fasstheit innerlich gebildet hätten und differente Systeme gelten würden. Letztendlich seien die Staaten im rohen Zustand nicht gewillt, ihre Wildheit aufzugeben, da ein jeder Staat »darin seinen Glanz sehe«. In einem Völkerbund würden hingegen die Einzelstaaten nicht angetastet, ihre Souveränität bliebe im Wesentlichen bestehen. Insofern plädierte Kant für die Einführung des Völkerbundes. In Gestalt eines multilateralen Friedensvertrages, sollte dieser für die Erhaltung von Sicherheit und Freiheit sorgen und »den Strom der Recht scheuenden, feindseligen Neigung aufhalten.«