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12a Der Kölner Dombau

Görres hatte großes Interesse an den Ausdrucksformen der Vergangenheit. Der Nachvollzug der Geschichte zeige die Spuren der Gottheit, die schon erkannt worden sei. Die Fülle der Erkenntnis, die sich in der Vielfalt der Kultur manifestiere, rege die Ausrichtung auf das Numinose an, gebe Orientierung und Kraft für die Gestaltung der Gegenwart. In seiner Rückzugsphase lernte Görres das Altdeutsche und zeigte zudem großes Interesse an Musik und Literatur. Seit 1804 publizierte er in der Münchner Zeitschrift »Aurora« Aufsätze über die Kunst des Mittelalters. Besonders die Gotik, die »deutsche Kunstform«, weckte sein Interesse. Der junge Ehemann wird zu Unrecht als resignierter, unpolitischer Mensch verstanden, der in das private Glück, in die Romantik geflüchtet sei. Vielmehr hatte Görres die Verantwortung eines Familienvaters übernommen und die akademische Laufbahn eingeschlagen. Er hoffte, dass seine Tätigkeit als Forscher und Dozent Impulse gebe für die Wiedergeburt des Geistigen, das politische Ideen hervorbringen werde. Daher waren Anhaltspunkte zur Identitätsbildung und die Rückbesinnung auf das christliche Erbe für Görres zeitlebens bedeutsam. So wundert es nicht, dass die Vollendung des Kölner Doms ein großes Anliegen wurde. Görres war Mitinitiator des Vereines zur Förderung des Dombaus zu Köln, der am 30. November 1840 vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. bestätigt wurde. Der Dombauverein brachte jährlich 90.000 bis 170.000 Taler auf. 1880, 32 Jahre nach dem Tod von Joseph Görres, wurde der letzte Stein gesetzt und der Südturm des Kölner Doms fertiggestellt.