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Görres konstatierte das Naturgesetz, dass eine heftige
Aktion eine starke Gegenkraft erzeuge. Er wollte daher
– nach dem Zornesfeuer der Revolutions- und Empirezeit,
aus dem konsequent die gewaltsame Vertreibung Napoleons
resultierte – die Wiederbelebung der Gesellschaftsord-
nung in einem Prozess gestaltet wissen, der alle Kräfte
behutsam austariere.
Görres war der Ansicht, dass die Geschichte zeige, dass
radikale Umbrüche das Verfallen in Größenwahn und die Ab-
kehr von den Wurzeln der Humanität evozieren.
Man müsse stattdessen das Wohlbefinden der Anderen einbe-
ziehen und die Sorgen um die Erfüllung ihrer Bedürfnisse
ernst nehmen. Dieser Anspruch war für Görres der Kern der
christlichen Botschaft und die Prämisse eines funktionieren-
den Sozialverbandes.
Obgleich sich die Völker Europas formal zum Christentum
bekennen, seien in der Umsetzung Defizite zu beklagen.
Nicht die Hektik, sondern die Besinnung lasse das Gute er-
kennen, so dass es verinnerlicht werden könne.
Die Worte Christi seien das „Licht, das vom Himmel kommt“
– ein geistiges Prinzip, das die Dunkelheit des Hauses er-
füllen müsse, sei es der Einzelstaat oder der Kontinent
Europa. Im beseelten Bau würden Ausgleich, Ehrlichkeit und
Wertschätzung zu finden sein. Es herrsche ein Klima, das
die freie Rede möglich mache und die wechselseitige Korrektur
der Ansichten. So könnten Lösungen gefunden werden, die alle
Hausbewohner zufrieden stellen. Die Bereitschaft zum Dialog
beuge der Verhärtung vor, banne Machtmissbrauch und Tyrannei.
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